Jahresbericht 2016

Jahresbericht der Stiftung: „Ein Stück Hoffnung“

Liebe Freundinnen und Freunde , liebe Spenderinnen und liebe Spender,

die schrecklichen Ereignisse des vergangenen Jahres: Not, Elend, Flucht, Verfolgung, grausames Gemetzel, irrsinnige Hinrichtungen bestimmen leider weiterhin unseren Alltag. Selbst auf wehrlose Kinder wird keine Rücksicht genommen. Dennoch gab es kleine Lichtblicke, von denen Pater Kulüke zu berichten weiß.

Jahresbericht Heinz Kulüke 2016
Der Rückblick auf das vergangene Jahr erweckt große Dankbarkeit. Die erneut so großzügige Unterstützung aus der Heimat hat uns auf den Philippinen wieder einmal vielerlei Hilfen für Menschen in Not ermöglicht. Ich möchte Sie nun über die Entwicklungen unserer Projekte informieren und Ihnen den Dank der uns auf den Philippinen anvertrauten Menschen persönlich übermitteln.

Hilfen für die Opfer des Wirbelsturms
Drei Jahre, nachdem der Taifun Yolanda/Haiyan im November 2013 die philippinischen Inseln verwüstete, sind die von unserem Entwicklungsbüro (JPIC-IDC) durchgeführten Rehabilitierungsarbeiten nahezu abgeschlossen. Zunächst wurden Hilfspakete vor allem mit Trinkwasser, Nahrung, Kleidung, Decken und Kochausrüstungen an 10.000 Familien verteilt. In der Zeit danach galt es, den Menschen beim Aufbau ihrer Unterkünfte zu helfen. Ebenfalls 10.000 Familien bekamen Unterstützung beim Bau einfacher Häuser im Wert von je 350-400 Euro. Gleichzeitig wurden 40 Schulen und Kindergärten repariert oder neu gebaut. Zahlreiche Kinder erhielten neue Schulsachen und Stipendien, die ihnen den Schulbesuch wieder ermöglichten. Für die Kleinbauern- und Fischerfamilien kam die Hilfe in Form von Saatgut, Wasserbüffeln, Kleinvieh, Fischerbooten und Netzen. Parallel spielte die Trauma- und medizinische Nachbehandlung vor allem von Kindern eine ganz wichtige Rolle. All diese Hilfe war nur dank der Großherzigkeit vieler Menschen in der Heimat möglich. Der Dank der Leute ist groß. Sie standen buchstäblich vor dem Nichts.

Umsiedlungen
Die Umsiedlungsprojekte für Menschen von Cebus Mülldeponien und aus anderen Slums der Stadt machen große Fortschritte. In diesem Jahr ist es erneut möglich gewesen, Land für ein weiteres und damit neuntes Hausbauprojekt zu kaufen. Die Vorbereitungsarbeiten haben bereits angefangen. Insgesamt werden so weitere 110 Familien (etwa 800 Menschen) aus den Slums ein neues Zuhause bekommen.
"… Mai 2016, Cebu City: "Menschen, denen über viele Jahre geholfen wurde, helfen nun anderen in Not" … Umsiedlungsgebiet "San Pio" … Bei meiner Ankunft bitten Vanessa und Fernando um ein Gespräch … Jahrelang haben sie auf der Mülldeponie gelebt und gearbeitet. Zwei ihrer fünf Kinder sind dort bedingt durch die fatalen Lebensumstände gestorben … Das Gespräch nimmt eine unerwartete Wendung: Es geht nicht wie früher um Hilfe für ihre eigene Familie, sondern um eine andere Familie auf der Mülldeponie, die gerade ein Kind verloren hat … Vanessa und Fernando sind betroffen … sie wollen noch mehr für die Familie tun und fragen, ob diese Familie auch in das San Pio Dorf umziehen kann, um dort ein neues Leben zu beginnen wie sie? … Diese Frage und Begegnung begleiten mich in den kommenden Monaten … Können wir noch mehr Familien helfen? … Die Umsiedlungsprojekte verändern das Leben der Menschen von den Deponien und aus den Slums … Das neue Umfeld gibt ihnen ihre Würde wieder. Sie denken nicht mehr an sich selbst sondern auch an andere Hilfsbedürftige …"

Menschenhandel und Rehabilitierungsmaßnahmen
Wie in vielen Ländern, so blüht auch auf den Philippinen der Menschenhandel weiter. Neue Herausforderungen sind die Hilfen für die Opfer des Cybersex. "Die Opfer sind sehr jung", berichtete mir eine Mitarbeiterin im vergangenen Mai, "fünf, sechs oder sieben Jahre alt". 25 junge Mädchen erhalten derzeit Hilfe in unserem Rehabilitierungszentrum, um die tiefen Verletzungen aufgrund der Erfahrungen der Ausbeutungen in den Rotlichtmilieus zu verarbeiten. Ein Wiederintegrierungsprogramm (After Care) begleitet die Mädchen, die eine Berufsausbildung machen und diejenigen, denen bereits Arbeitsplätze vermittelt werden konnten. Als erste Anlaufstelle hat unser Drop-In-Zentrum alljährlich bis zu 800 Besucherinnen aus der Rotlichtszene. Hier finden die Mädchen medizinische Hilfe, Nahrung, einen Platz zum Ausruhen und Gesprächspartnerinnen. Weiterhin sind die Aufklärungsarbeit und Strafverfolgung wichtig. All diese Hilfen sind nur dank der guten Zusammenarbeit mit den Schwestern vom Guten Hirten möglich. Förderer in der Heimat und Agenturen finanzieren die lebensverändernden Projekte. Nicht alle schaffen den Ausstieg.
"… 4. Januar 2016, 23:00 Uhr. Ich bin im Armenkrankenhaus der Stadt. Mary-Ann liegt im Sterben. Das ist nicht ihr richtiger Name. Als Teenager wird sie Opfer des Menschenhandels. … Mit nur 13 Jahren wird sie erstmals in der Rotlichtszene missbraucht … Eine typische Leidensgeschichte eines Opfers der Rotlichtviertel der Philippinen und weltweit … In der Szene bin ich ihr oft begegnet … Hin und wieder kommt sie in unser Drop-In-Zentrum … Den Ausstieg aus dem Milieu schafft sie nicht - Wie immer in den Armenkrankenhäusern dieser Welt: Es riecht nach Kot und Urin und starken Putzmitteln … Drei und häufig mehr Personen teilen sich ein Krankenbett. Andere liegen auf Matten im Gang. Die zwanzigjährige Mary-Ann ist nur noch Haut und Knochen und liegt isoliert vom Rest der Welt in einer Abstellkammer … sie gehörte nie dazu, wurde nur gebraucht. Nicki und Isabel (diese haben es dank unseres Rehabilitierungsprogrammes geschafft) begleiten sie auf dieser letzten Phase dieses Lebens.

Mülldeponien/Schulungsprogramme
20. April 2016. Quinto, einst ein Müllkind, musste siebenjährig zum Lebensunterhalt der Familie beitragen … das heißt, täglich viele Stunden den Müll aussortieren nach Verwertbarem. Durch unser Schulungsprogramm schafft er die Grund- und Mittelschule. Er erhält ein Studienstipendium für die Universität. Er beendet das Studium, findet Arbeit, wird Leiter der Dorfgemeinschaft in einem unserer Hausbauprojekte und hilft nun anderen. …"
Die alljährliche Herausforderung ist es, den etwa 1.500 - 2.000 Kindern und Jugendlichen von den Mülldeponien und anderen Slums den Schulbesuch zu finanzieren. Für die Grundschule reicht der Betrag von 60 Euro pro Jahr. Für die Mittelschule werden für denselben Zeitraum 100 Euro benötigt. Damit können Schulsachen, Schulkleidung, Transportkosten, Nahrung und Schulgebühren finanziert werden. Der Mittelschule folgt die Berufsausbildung oder, für besonders Begabte, das Studium.

Straßenmenschen
Im Hause des Samariters erhalten tagsüber ältere Obdachlose und Straßenkinder Nahrung und medizinische Hilfe. Die Kinder werden angehalten, den Alten zu helfen. Von ehrenamtlichen Studenten werden sie sogar auf den Straßen der Stadt unterrichtet. Das Zentrum hat eine ganz einfache, aber wichtige Botschaft: "Jeder Mensch ist wichtig, sei er noch so arm und ohne Hoffnung."

Weitere Formen der Hilfe
Zu Weihnachten bereiten wir kleinere Weihnachtspakete für die Familien aus den Slums vor. 1.500 Familien erhalten ein Paket im Wert von 10 Euro. Darin befinden sich 5kg Reis, getrocknete Sardinen, Nudeln und Kraftkekse. Diese Präsente bedeuten den Menschen in den Slums sehr viel. Häufig ist dies das einzige Weihnachtsgeschenk, das sie erhalten, aber nur für zwei oder drei Tage reicht.

"Menschen, denen über viele Jahre geholfen wurde, helfen nun anderen in Not" … diese Erfahrung wiederholt sich das ganze Jahr über. Kinder von den Deponien erzählen in der Schule von ihren Freunden, die kein "Pausenbrot" haben, Erwachsene bitten um Hilfe bei der medizinischen Versorgung von Menschen aus anderen Slums, junge Familien erfahren, dass die Kinder anderer Familien nicht in die Schule gehen können, und wollen helfen. Familien in den Umsiedlungsgebieten bitten um Hilfe bei der Finanzierung von Beerdigungen ihrer ehemaligen Nachbarn in den Slums.Sie denken nicht mehr nur an sich selbst, sondern auch an andere Hilfsbedürftige.So lässt sich die Welt im Kleinen und vielleicht auch im Großen verändern. All das sind geweihte Tage, die an die Botschaft der "Weih-Nacht" erinnern. Ein Schlüssel zur Sinnfindung liegt in der Mitsorge und Fürsorge auch für die Anderen.
In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute Advents- und Weihnachtszeit sowie ein gutes Neues Jahr. Mit nochmaligem herzlichen Dank und vielen Grüßen,

Ihr Heinz Kulüke SVD


Jahresbericht_2016Auch ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Mir liegt die Verbesserung der Lebenssituation der Kinder und der zur Prostitution gezwungenen Mädchen besonders am Herzen. (Die Aids-Erkrankungen haben erschreckend zugenommen.) Neben Linderung der aktuellen Not werden Ihre Spenden für Bildung und Ausbildung der jungen Menschen benötigt. Nur dadurch haben diese die Chance, aus dem Elend herauszukommen und ein menschenwürdiges Leben zu führen. Viele von Ihnen sind bereits in der Lage, ihre Familien zu unterstützen.
Das Spendenaufkommen vom Dezember 2015 bis Dezember 2016 betrug gerundet 18.000 €.
Diese fließen in diesem Jahr überwiegend in Bildungsprogramme d.h. in Stipendien für Schülerinnen, Schüler, Auszubildende und Studierende, sowie stets auch in Rehabilitationsmaßnahmen und für die jungen Zwangsprostituierten.

Weitere Erfolge
Die Wohnbauprojekte sind mit der wichtige Pfeiler für die Veränderung der Lebenssituation. Acht wurden vollendet. Baubeginn des neunten ist Anfang diesen Jahres. Durch regelmäßige Schulungsprogramme konnte die Kindersterblichkeit erheblich reduziert werden, ebenso der allgemeine Krankenstand. Die meisten Frauen führen Heimarbeiten durch wobei sie die Kleinkinder beaufsichtigen können, die so den Gefahren der Müllkippen nicht mehr ausgesetzt sind. Etwa 50 zur Prostitution gezwungene Mädchen werden jährlich aus dem Rotlichtghetto befreit.

Wie Sie sehen können, ist viel erreicht worden. Leider sind wir weiterhin auf Ihre Hilfe angewiesen, denn der Zuzug der vom Lande in die Städte abwandernden Armen hält unvermindert an. Die verlassenen Slumhütten werden sofort wieder in Besitz genommen, ebenso die neu entstandenen illegalen Müllberge.
Diese Familien brauchen dringend unsere Hilfe!

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass jeder gespendete Euro in die Projekte fließt. Diese werden vom Steyler Orden in Auftrag gegeben und überwacht. Auch das deutsche Ministerium für Entwicklungshilfe, das die Baumaßnahmen finanziell mitträgt, überprüft regelmäßig Vorort den Fortgang der Arbeiten und die finanzielle Situation.

Noch einmal herzlichen Dank für Ihre großzügigen Spenden. Damit ermöglichen Sie den am Rande der Gesellschaft lebenden Kindern den Weg in eine menschenwürdige Zukunft.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesundes friedvolles neues Jahr.

Ihre Maria Spiegel

Das Konto für Ihre Spende:

Empfänger: KK-Stiftung
IBAN: DE07509500680002101327
BIC: HELADEF1BEN
Verwendungszweck: Ein Stück Hoffnung


Über meine E-Mail Adresse: mariadr.spiegel[at]gmx.de können Sie mich gerne kontaktieren.
Homepage: www.ein-stueck-hoffnung.de